Das Projekt „Mobiles Theater“ wird gefördert durch die Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf und durch das Kulturamt Düsseldorf. Die Schirmherrschaft für das Projekt hat Frau Dr. Dorothee Achenbach übernommen.


Warum „Mobiles Theater“?

Weil Theater den Kindern Suchtkonflikte sichtbar und verständlich macht. „Was man spielend lernt, bleibt umso besser haften“ (aus dem Schreiben von Dr. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident NRW. Deshalb geht „Kunst gegen Sucht e.V.“ mit dem Stück „Mama geht’s heut nicht so gut“ auf Wanderschaft durch nordrhein-westfälische Schulen.

Informationen zum Stück „Mama geht’s heut nicht so gut“
Reaktionen der Schülerinnen und Schüler


Statistik:


Das Theaterstück „Mama geht es heute nicht so gut“ wurde in insgesamt 15 Schulen in Düsseldorf und Umgebung aufgeführt. Ca. 2500 Schülerinnen und Schüler nahmen an den psychologischen Nachbereitungen in den Klassenverbänden teil und äußerten sich zum Theaterstück und ihren persönlichen Erfahrungen. Die Nachbesprechungen erfolgten in den Klassenräumen der Schülerinnen und Schüler in vertrauter Umgebung.

Alkohol/andere Drogen:


Die Gefährlichkeit von Drogen (insbesondere Alkohol) war den Schülerinnen und Schülern bekannt. Die lebensnahe Darstellung auf der Bühne führte den Schülerinnen und Schülern vor Augen, dass Alkohol keine Probleme löst und die Weiterentwicklung der Persönlichkeit von Menschen verhindert.

Erlebte Realität:


Detailliert beschrieben die Schülerinnen und Schüler typische Verhaltensweisen von abhängigen Erwachsenen aus dem Blickwinkel eigenen Erlebens. Hierzu gehörten Schilderungen von trinkenden und verstummten Eltern, lebensgefährlichen Unfällen unter Alkoholeinfluss und Gewalt in ihnen bekannten Familien.
Wie realistisch die süchtigen Erwachsenen wahrgenommen wurden, zeigte die Äußerung eines 12jährigen Jungen: „Vielleicht ist es ganz gut, wenn die Mutter zu betrunken war, um sich um ihr Baby zu kümmern“, sagte er langsam und nachdenklich und fuhr fort:“ Sie hätte das Baby wahrscheinlich fallen lassen, betrunken wie sie war“. Zeitungsberichten zufolge, die den Schülerinnen und Schülern frisch in Erinnerung waren, hatte ein Vater im betrunkenen Zustand sein kleines Kind fallen lassen, das daraufhin verstarb.

Schuld und Scham:


Sehr wichtig war den Schülerinnen und Schülern die Erkenntnis, für das Verhalten ihrer trinkenden Eltern und Geschwister nicht verantwortlich zu sein und sich nicht schämen zu müssen.
Freundschaft als Ort der Begegnung: Freundschaft wurde von den Schülerinnen als eine sehr wichtige Möglichkeit gewertet, vertrauensvolle Beziehungen und Bindungen unabhängig von den Wertesystemen der eigenen Familie aufzubauen und zu pflegen.
„Du musst das nicht gleich der ganzen Welt sagen, aber der Freundin kannst Du das ja mal berichten, damit sie einen unterstützen kann“, meinte eine Schülerin. Und: „Die Freundin soll einen verstehen und schweigen, dann braucht man sich nicht zu schämen“.


Feedback der Lehrerinnen und Lehrer:


Die Kinder verfolgten die Aufführungen mit Aufmerksamkeit und Wachsamkeit. Sie konnten die Inhalte des Stückes gut verstehen und beteiligten sich rege an den Nachbesprechungen. Überraschenderweise meldeten sich auch Kinder, die sonst eher ruhig waren, mit offenen Wortbeiträgen.

Einschätzung:


Die Reaktion der Schülerinnen und Schüler zeigten, welch hoher Bedarf an einem offenen Austausch und einer damit verbundenen emotionalen Stützung der Kinder besteht.
Andreas Schulz, Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor DGSv

Inhalt des Stückes


Ria ist neun Jahre alt und hat einen kleinen Bruder von eineinhalb Jahren. Ihr Vater ist beruflich im Ausland und ihre Mama ist alkoholabhängig. Ria ist eine gute Schülerin. Sie gibt sich alle Mühe, nach außen hin alles normal erscheinen zu lassen, leidet jedoch sehr unter ihrer Verantwortung. Sie kann sich auf ihre Mutter nicht mehr verlassen und da sie ihr Familiengeheimnis hütet, wird auch lange Zeit niemand auf ihre Situation aufmerksam. Sie übernimmt wie selbstverständlich den Haushalt und schließlich die Pflege ihres Bruders. Sie hat keine Zeit mehr für ihre Freundin Tania. Rias Mutter vergisst den Geburtstag ihrer Tochter und zum ersten Mal gibt es keine Geburtstagsparty. Tania glaubt, nicht eingeladen zu sein, und ruft Ria an. Tania hat längst eine Vermutung, denn ihrer Mutter, die früher viel Kontakt zu Rias Mutter hatte, kommt das Verhalten von Tanias Freundin schon länger seltsam und gleichzeitig bekannt vor. Ihr Vater war vor langer Zeit ebenfalls alkoholabhängig. Tania bittet Ria, ihrer Mama von Rias Situation erzählen zu dürfen, und Ria willigt ein. Tanias Mutter beschließt, Ria zu unterstützen.
Auf einfühlsame Weise nimmt dieses Stück das Kind Ria in den Mittelpunkt der Handlung: ihre Probleme, ihre unterschiedlichen Gefühle, ihre Zerrissenheit und die vielen Rollen, die sie in ihrer Situation auf sich nimmt und durchlebt.

Daten zum Stück


Bei der Düsseldorfer Inszenierung von „Mama geht’s heut nicht so gut“ handelt es sich um die deutsche Erstaufführung.

Zielgruppe: Kinder ab acht Jahre, Eltern, Pädagogen
Stücklänge: 45 Minuten
Autor: Mathias Schuh (Gründungsmitglied der „Theaterachse Salzburg“)
Regie: Lars Krückeberg (Leiter „Freie Bühne Düsseldorf)
Die Freie Bühne Düsseldorf zählt laut Düsseldorfer Hefte zu den „profiliertesten Theaterensembles Düsseldorfs“ und ihr Leiter und Gründer, der Regisseur, Schauspieler und Autor Lars Krückeberg gilt als der „kreativste Kopf der Freien Theaterszene der Landeshauptstadt“.
Darsteller: Carolin Schmitten, Laura Pietjou, Ulrike Teepe, Nicole Unger, Silke Verheyen

Musik: Thomas Melcher
Ausführende / Produktion: Freie Bühne Düsseldorf
Laufzeit der Düsseldorfer Produktion: 2009/2010
Spielorte: Schulen (zunächst in NRW, danach in Berlin und weiteren Bundesländern)

Das Stück wird nur in Verbindung mit der Nachbereitung durch „Kunst gegen Sucht e.V.“ angeboten.